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WiGeoH-Abend im Königlichen Pferdestall: Künstliche Intelligenz und die deutsche Automobilindustrie

WiGeoH-Abend im Königlichen Pferdestall: Künstliche Intelligenz und die deutsche Automobilindustrie

© A. Schütt, 2023

Der 2. WiGeoH-Abend im Königlichen Pferdestall am 8. Juni 2023 war ein voller Erfolg. Im gut besuchten Pferdestall trafen sich auf Einladung des Alumnivereins der Wirtschaftsgeographie (WiGeoH) viele Wirtschaftsgeographinnen und -geographen, aber auch fachfremde Interessierte, nicht nur um sich bei Snacks und Getränken zu vernetzen, sondern auch um dem spannenden Vortrag von Dr. Michael Nolting (VW Nutzfahrzeuge) zu folgen. Für Hannover und Niedersachsen ist es ein wichtiges Thema, ob Künstliche Intelligenz ein Hoffnungsträger oder Totengräber der deutschen Automobilindustrie ist.

Kernbotschaft war: Künstliche Intelligenz (KI) wird die Automobilindustrie nachhaltig „umkrempeln“. Um diese Disruption zu meistern, müssen Automobilhersteller das volle Potential aus ihren Daten schöpfen und in der Lage sein, täglich neue Dienste an ihre Kunden auszuspielen, so Nolting. Nur durch den Einsatz von KI können sie sich vom „Blechbieger“ zum „Tech-Giganten“ transformieren. Michael Nolting skizzierte Bilder der künftigen Automobilwelt:

  • Es gehe nicht darum, das Kerngeschäft und die bisherigen Prozesse zu optimieren, sondern es radikal neu zu erfinden. Das eigentliche Ziel der Digitalen Transformation sei es, die Organisation flacher, agiler, reaktionsschneller, kundenzentrierter, kooperationsfähiger und lieferfähiger aufzustellen.
  • Digitale Dienste, die man in ein Auto einbaut, würden immer wichtiger als der Motor. Das Fahrzeug der Zukunft sei vernetzt und liefere so eine Vielzahl von Daten zum Zustand des Automobils sowie zu den Gewohnheiten seines Besitzers. Aus dieser Datenflut würden relevante Erkenntnisse für das Kundenerlebnis.
  • Jahrzehnte lang lag der Fokus der Automobilindustrie ausschließlich auf der Fahrzeugpallette. Inzwischen werde erkannt, dass der Shift von der Produkt- zur Kundenzentrierung unerlässlich ist. Das Auto werde immer mehr zum „White-Label-Produkt“. Mit dem Baukastenmodell des Herstellers könnten branchenfremde Unternehmen zu Autoverkäufern werden. Ein paar markenspezifische Extras und der Verkauf könne beginnen. Einige chinesische Smartphonehersteller haben schon E-Autos angekündigt, bei denen die Internetnutzung im Vordergrund steht, so werden mittlerweile z.B. Gamer-Cars oder Influencer-Cars angeboten.
  • Starre Planungsrunden für die Transformation. Organisationen sind normalerweise darauf ausgelegt, ihr Kerngeschäft voranzutreiben und planen das auch gerne mal 10 Jahre im Voraus. Die Automobilindustrie ist hierin sicherlich ein Meister. Es sei notwendig, starre Hierarchien und lange Entscheidungsprozesse aufzulösen und die Verantwortung mehr ins Team zu geben. So werde die Anpassungsgeschwindigkeit erhöht. Tesla könne im Grunde jedes Fahrzeug einzeln konfigurieren. Jede Woche könnten so 60 Innovationen in ein Fahrzeug hineinkommen. In der deutschen Autoindustrie werden Modelle über 7 Jahre nahezu konstant gehalten.
  • Einen VW zu kaufen, werde künftig online erfolgen. Insgesamt würden die Grenzen zwischen Kunde, Händler und Hersteller mehr und mehr verschwinden: Verbraucher konfigurierten ihr Traumauto in Eigenregie. Händler unterstützten diesen Prozess durch qualifizierte Online-Beratungen und virtuelle Showrooms. Hersteller richten ihre Produktionslinien agil an den Kundenbedürfnissen aus.

Ein toller Vortrag – danke auch an dieser Stelle an Dr. Michael Nolting.