Mit einer Analyse der Innovationsdynamik kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) in strukturschwachen Regionen Deutschlands hat Christoph Friedrich am 25. Mai 2026 erfolgreich seine Doktorarbeit am Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie der LUH verteidigt. Seine kumulative Dissertation stützt sich auf einen rein konzeptionellen Forschungsartikel sowie vier qualitativ-empirische Artikel, die in anerkannten Fachzeitschriften eingereicht oder bereits publiziert sind.
Im Zentrum der Arbeit steht die Frage, wie die Innovationsprozesse von KMU in strukturschwachen Regionen durch Maßnahmen sowohl der regionalen und nationalen Innovationspolitik als auch des firmeninternen Managements gefördert werden können. Dabei untersucht die Arbeit insbesondere die regionalen Kontextfaktoren auf der Mesoebene, insbesondere informelle Institutionen, welche Innovationsprozesse auf der Mikroebene beeinflussen. Wegen begrenzter regionaler wie auch firmeninterner Ressourcen basieren diese Prozesse häufig nicht auf F&E-Aktivitäten, sondern auf informellem Lernen sowie firmeninternen und -externen Interaktionen im informellen DUI-(Learning-by-Doing, -Using, -Interacting)-Modus.
Die empirischen Ergebnisse basieren auf einer multiplen Fallstudie in zwölf strukturschwachen Regionen, sowohl städtischen als auch ländlichen, auf der NUTS-3-Ebene, mit insgesamt 98 qualitativen Interviews mit Führungskräften und Managern von KMU. Davon sind 30 Interviews mit wissensintensiven Dienstleistern und 43 mit KMU des Verarbeitenden Gewerbes in acht Regionen im Rahmen des Forschungsprojektes „DUI.REG“ (Messung des Doing-Using-Interacting-Modus von KMU in strukturschwachen Regionen) erhoben worden. Interviews mit 25 Einzelhändlern in vier Regionen stammen aus dem Projekt „ReDiCOV“ (Regional economic disparities in the aftermath of the COVID-19 outbreak: the role of digitalization and working-from-home).
Die zentralen Erkenntnisse der Dissertation lauten:
- Informelle Institutionen sind relevante direkte Treiber für DUI-Lernprozesse.
- HRM-Praktiken (z. B. flexible Arbeitsorganisation, interne Weiterbildung) können indirekt über die jeweilige Unternehmenskultur eingesetzt werden, um DUI-Innovationsprozesse zu stärken.
- Digitale Transformation ist ein direkter Treiber für DUI-Prozesse in verschiedenen Branchen, deren Potenzial durch Barrieren wie den Mangel an digitalaffinem Personal eingeschränkt wird.
Die Dissertation liefert konkrete Handlungsempfehlungen für die Gestaltung regionaler und nationaler Politik- und organisationaler Managementmaßnahmen, während sie konzeptionell den DUI-Modus um Perspektiven aus den dynamischen Fähigkeiten und des ressourcenbasierten Ansatzes erweitert.
Die Prüfungskommission wurde geleitet von Prof. Benjamin Burkhard (Institut für Erdsystemwissenschaften, LUH). Weitere Mitglieder waren Prof. Rolf Sternberg (Erstgutachter und Betreuer), Prof. Ingo Liefner (beide Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie, LUH) sowie Prof. Roman Martin (Zweitgutachter; Department of Business Administration, University of Gothenburg, Schweden). Die vollständige Dissertation ist in Kürze im institutionellen Repositorium der Leibniz Universität Hannover verfügbar und steht allen Interessierten zur freien Nutzung zur Verfügung.