Kerstin Nolte und Hauke Kruse haben gemeinsam mit Leonie Tuitjer einen neuen Artikel in der Fachzeitschrift Ecological Economics veröffentlicht. Der Beitrag untersucht, wie unterschiedliche Krisen nachhaltigen Lebensmittelkonsum beeinflussen, und verbindet dabei zwei theoretische Denkschulen, die bislang nur selten gemeinsam betrachtet werden: individualistische Verhaltenstheorien und praxistheoretische Ansätze.
Die Analyse zeigt, dass verschiedene Krisen unterschiedliche Mechanismen nachhaltigen Lebensmittelkonsums auslösen. Die Klimakrise verdeutlicht die Bedeutung von überzeugungs- und wertebasierten Mechanismen: Klimaängste, Sorgen und identitätsbezogene Motivationen können nachhaltigere Entscheidungen fördern, auch wenn die Ergebnisse häufig widersprüchlich ausfallen. Die COVID-19-Pandemie hat alltägliche Routinen durchbrochen und vorübergehend ein stärkeres Interesse an regionalen und gesunden Lebensmitteln ausgelöst. Inflation und Einkommensverluste hingegen führen dazu, dass VerbraucherInnen stärker auf Preise achten und sich von zertifizierten oder höherpreisigen nachhaltigen Produkten abwenden.
Darüber hinaus zeigt die Analyse, dass soziale Ungleichheiten das Konsumverhalten in Krisenzeiten maßgeblich prägen und durch Krisen häufig weiter verschärft werden. Ein dauerhafter Wandel hin zu nachhaltigem Lebensmittelkonsum wird nicht allein durch Nudging erreicht. Er erfordert vielmehr strukturelle Lösungen, etwa stabile Lieferketten und einen besseren Zugang zu nachhaltigen Lebensmitteln für alle.
Die Publikation ist ein Ergebnis aus dem MWK geförderten Projekt „Konsum nachhaltiger Lebensmittel im Kontext von Krisen: Klimawandel und die Covid-19-Pandemie in Niedersachsen".
Nolte, K.; Kruse H.; Tuitjer L. (2026): Sustainable food consumption in times of crisis. Ecological Economics 248. DOI: 10.1016/j.ecolecon.2026.109085