Wirkungen des NWindPVBetG: Erforschung der regional differenzierten Akzeptanzentwicklung gegenüber Projekten der erneuerbaren Energien in niedersächsischen Gemeinden
| Leitung: | Prof. Dr. Ingo Liefner |
| Team: | David Liman, Clara Mühlberger |
| Jahr: | 2026 |
| Datum: | 01-01-26 |
| Förderung: | Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz sowie das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur |
| Laufzeit: | 01.01.2026 - 31.12.2028 |
SAFT – Soziale Akzeptanz und finanzielle Teilhabe
Projektbeschreibung
Zur Bekämpfung des fortschreitenden Klimawandels hat sich Deutschland das Ziel gesetzt, seine Treibhausgasemissionen bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren und bis 2045 Klimaneutralität zu erreichen. Die niedersächsische Landesregierung strebt Klimaneutralität bereits bis 2040 an. Der Ausbau erneuerbarer Energien (EE) ist hierfür zentral, da er die Dekarbonisierung der Stromversorgung sowie des Verkehrs-, Industrie- und Gebäudesektors ermöglicht.
Niedersachsen nimmt dabei eine besondere Rolle ein: In keinem anderen Bundesland wird mehr Strom aus Windenergie, Photovoltaik und Biogas erzeugt. Gleichzeitig sind die Ausbauziele ambitioniert. Die installierte Windenergieleistung soll von derzeit rund 13 GW auf 30 GW steigen, die Photovoltaikleistung von 7 GW auf 65 GW. Zudem sieht das niedersächsische Windgesetz eine deutliche Ausweitung der für Windenergie ausgewiesenen Flächen vor.
Da der Ausbau erneuerbarer Energien überwiegend in ländlichen Regionen stattfindet, hängt sein Erfolg nicht allein von technischen und wirtschaftlichen Faktoren ab, sondern maßgeblich von der Unterstützung der lokalen Bevölkerung. Zahlreiche Studien und Praxisbeispiele zeigen, dass Projekte aufgrund mangelnder lokaler Akzeptanz verzögert oder verhindert werden können – mit entsprechenden Folgen für das Erreichen der Klimaziele.
Vor diesem Hintergrund ist im Frühjahr 2024 Niedersächsisches Gesetz über die Beteiligung von Kommunen und Bevölkerung am wirtschaftlichen Überschuss von Windenergie- und Photovoltaikanlagen (NWindPVBetG) in Kraft getreten. Es ergänzt das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und führt eine verpflichtende finanzielle Beteiligung der betroffenen Gemeinden in Höhe von 0,2 Cent pro Kilowattstunde erzeugten Stroms ein. Die daraus resultierenden Einnahmen sind zweckgebunden für Maßnahmen zur Förderung und Sicherung der lokalen Akzeptanz einzusetzen, beispielsweise für neue Radwege, eine Renovierung des Schwimmbads oder die Gestaltung von Gemeinschaftsplätzen.
Diese finanzielle Beteiligung soll einerseits die Akzeptanz erneuerbarer Energieprojekte vor Ort stärken und andererseits Genehmigungsverfahren beschleunigen, um den Ausbau in Niedersachsen voranzubringen.
Bestehende Untersuchungen weisen bereits auf einen positiven Zusammenhang zwischen finanzieller Beteiligung und Akzeptanz hin. Offen bleibt jedoch, wie dauerhaft dieser Effekt ist, wie sich Akzeptanz und Veränderungsbereitschaft im Zeitverlauf entwickeln, welche Rolle Gerechtigkeitsvorstellungen spielen und wie sich regionale Unterschiede auswirken. Diese Fragen sind entscheidend für die Bewertung der Wirksamkeit finanzieller Teilhabe im Allgemeinen und des NWindPVBetG im Speziellen.
Forschungsziele
Das Projekt verfolgt folgende Ziele:
- Evaluation der (nachhaltigen) Wirkung des NWindPVBetG
- Analyse regionaler Unterschiede in der Wirkung der Akzeptanzabgabe auf Akzeptanz und langfristige Veränderungsbereitschaft
- Untersuchung von Gerechtigkeits- und Energiedemokratieaspekten bei der Umsetzung
- Analyse konkurrierender Zukunftsvisionen und Narrative zur lokalen und regionalen Energiewende
Methodisches Vorgehen
Das Projekt entwickelt eine sozialwissenschaftliche und regionalökonomische Arbeitsgrundlage und setzt qualitative Erhebungs- und Auswertungsverfahren ein. In vier Fallstudienregionen werden Fokusgruppen mit Anwohnenden sowie leitfadengestützte Interviews mit Akteurinnen und Akteuren aus Politik, Verwaltung, Energiewirtschaft und Zivilgesellschaft durchgeführt.
Ziel ist es, ein vertieftes Verständnis darüber zu gewinnen, wie diese Art der finanziellen Beteiligung die kurzfristige Akzeptanz, das Gerechtigkeitsempfinden und eine damit einhergehende langfristige Veränderungsbereitschaft der lokalen Bevölkerung beeinflusst. Die Ergebnisse leisten somit einen Beitrag zur wissenschaftlichen Evaluation des NWindPVBetG, welche vom niedersächsischen Umweltministerium in Auftrag gegeben wurde.