Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie Forschung Forschungsprojekte
Leitmarktorientierte Innovation und Systemressourcen in Direct Air Capture

Leitmarktorientierte Innovation und Systemressourcen in Direct Air Capture

Leitung:  Prof. Dr. Ingo Liefner (LUH)
Team:  Lennart Grün (LUH)
Jahr:  2024
Förderung:  Pro*Niedersachen , Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur
Laufzeit:  2024–2027

Dem IPCC zufolge ist die Entfernung von Kohlendioxid (CDR) in fast allen modellierten Szenarien für die Erreichung der globalen Klimaziele unerlässlich. Mehr noch als andere neuartige Klimatechnologien wird die zukünftige Entwicklung von DAC von koordinierten politischen Maßnahmen abhängen. Diese politischen Maßnahmen werden nicht geographisch homogen sein – stattdessen haben verschiedene Länder oder Regionen unterschiedliche Potenziale, Fähigkeiten und Motivationen für die Förderung einer bestimmten Technologie. Aus dieser Perspektive argumentiert das Konzept der Leitmärkte, dass ein Land (oder eine Region) durch den frühzeitigen Aufbau nationaler Marktstrukturen langfristige Wettbewerbsfähigkeit in einem Technologiebereich aufbauen kann. Diese Idee ist zwar sehr interessant, es fehlt ihr jedoch eine klare Konzeptualisierung der Terminologie und der funktionalen Auswirkungen. Dennoch weist sie auf die Notwendigkeit hin, die Rolle nationaler und regionaler Märkte bei der globalen Diffusion von Innovationen besser zu verstehen und zu erkennen, wie frühzeitige politische Maßnahmen die spätere räumliche Konfiguration des Ökosystems beeinflussen können.

Dies führt uns zu den folgenden Forschungsfragen:

  1. Welche internen Dynamiken und externen Synergien und Konflikte prägen die aktuelle Entwicklung des globalen DAC-Ökosystems?
  2. Welche Rolle spielen einzelne Nationen und Regionen bei der globalen Diffusion der DAC-Technologie?
  3. Wie kann eine Nation oder Region ihre strategische Position im globalen Ökosystem beeinflussen und gestalten?

Um diese Fragen zu beantworten, verwenden wir das Framework der globalen Innovationssysteme, das von einer linearen Innovationsperspektive abweicht und stattdessen argumentiert, dass vier Systemressourcen für die Entwicklung und Diffusion von Technologien verantwortlich sind: Wissen, Märkte, Legitimität und Kapital. Diese Systemressourcen sind in der Regel nicht räumlich allgegenwärtig, sondern können sich auf verschiedenen räumlichen Ebenen und an verschiedenen Standorten befinden. Die Anwendung des GIS-Frameworks ermöglicht es uns, die Rolle der verschiedenen Akteure im DAC-Ökosystem besser zu unterscheiden und sie bestimmten geographischen Einheiten zuzuordnen.

Im Laufe des dreijährigen Forschungsprojekts werden drei wissenschaftliche Arbeiten erstellt, um die oben genannten Forschungsfragen ausführlich zu diskutieren. Empirisch basiert die Forschung weitgehend auf Experteninterviews mit relevanten Interessengruppen aus DAC-Unternehmen, Industrieverbänden, Beratungsunternehmen, Zertifizierungsstellen, NGOs, öffentlichen Organisationen und der Wissenschaft. Darüber hinaus stützt sich die Forschung auf umfangreiche Sekundärforschung und deskriptive statistische Analysen von Sekundärdaten, wie Patenten und Unternehmensverzeichnissen.