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TraKuLa

TraKuLa: Transkultureller Lern- und Kompetenzansatz

Brücke in Asien Brücke in Asien Brücke in Asien

Innovationsprozesse werden von chinesischen und deutschen Beteiligten sehr unterschiedlich gestaltet. Oft kommt es in Kooperationsprojekten zu Missverständnissen, weil es an Wissen und Strategien zum Umgang mit diesen Unterschieden fehlt.

Der Forschungsverbund TraKuLa verfolgt die Frage, welche Faktoren hinter dem Misserfolg – vor allem aber dem Erfolg – des wechselseitigen Wissenstransfers in deutsch-chinesischen Kooperationsprojekten im Ingenieurbereich für Forschung und Innovation stecken.     

HINTERGRUND ZUM PROJEKT

Die Volksrepublik China hat einen vierzigjährigen wirtschaftlichen Aufholprozess hinter sich, der auf den beiden Pfeilern Wissenstransfer aus dem Ausland und eigener Technologieentwicklung fußte. Dabei stellte der Wissens- und Technologietransfer bis etwa zum Jahr 2005 die wichtigste Wachstumsdeterminante im chinesischen Reformprozess dar. Ab dem Jahr 2006 hat sich China ein neues Wachstumsmodell verordnet und politische Leitlinien in Kraft gesetzt, die das eigenständige Hervorbringen von Innovationen fördern. Ausgangspunkt hierfür war insbesondere die erfolgreiche Verringerung des technologischen Abstands zum westlichen Ausland und die zunehmend sichtbare Konkurrenz chinesischer und westlicher Firmen im Feld höherwertiger Technologie. Seit 2009 wird der Ausbau interner Innovationskapazitäten zusätzlich durch die „Go Global“-Politik flankiert, die darauf zielt, das Wissen ausländischer Firmen zu erwerben und in den Wissenspool chinesischer Firmen zu integrieren.

Durch diesen Wandel hat sich die Volksrepublik China zu einer weltweit führenden Innovationsnation entwickelt. Auch die Art der Kooperation zwischen chinesischen und ausländischen Partnerinnen und Partnern im Forschungs- und Innovationsprozess hat sich grundlegend verändert. Einen einseitigen Technologietransfer von fortgeschrittenen westlichen Akteurinnen und Akteuren an lernende chinesische Partnerinnen und Partner gibt es in der früher etablierten Form nicht mehr. Technologietransfer ist heute wechselseitig, wobei die Beteiligten über unterschiedliche, häufig komplementäre Wissensbestände verfügen, die sich ergänzen können.

Der wechselseitige Wissenstransfer und die Aufgabe ausländischer und chinesischer Beteiligter, gemeinsam einen Mehrwert in Innovationsprozessen zu generieren, fußen auf Motivationen, Fähigkeiten und Transferbedingungen, die bislang weitestgehend ungeklärt sind. Oft sind diese zwischen den Beteiligten jedoch höchst unterschiedlich ausgestaltet, sodass dies zu Irritationen, nicht selten sogar zum Projektabbruch auf Grund unüberbrückbarer Differenzen führt. Der Forschungsverbund TraKuLa möchte daher kulturell angelegte Unterschiede in Verhaltensweisen, Wissenskulturen, Motivationen, Vorurteilen, Sprachen, Kommunikationsverhalten, regulativen Rahmen und persönlichen Beziehungen verstehen. Um Dissonanzen und/oder Projektabbrüchen entgegenzuwirken, will TraKuLa dann herausarbeiten, wie diese Unterschiede überbrückt und in Innovationsprozessen sogar nutzbar gemacht werden können. 
 

ZIELE DES PROJEKTES

TraKuLa wird Unterschiede in den Motiven und Verhaltensweisen deutscher und chinesischer Kooperationspartnerinnen und -partner in Forschungs- und Innovationsprozessen analysieren. Damit will der Forschungsverbund aufzeigen, inwiefern sich aus der Überbrückung und gemeinsamen Nutzung dieser Unterschiede ein Mehrwert generieren lässt. Das Ziel ist, Maßnahmen zur Verbesserung der transkulturellen Kooperationstätigkeit so zu entwickeln, dass Kooperationen auch außerhalb des westlichen Kulturkreises für deutsche Beteiligte effektiv und effizient durchführbar werden. 

FORSCHUNGSPROGRAMM

TraKuLa untersucht deutsch-chinesische Kooperationsprozesse in den Ingenieurswissenschaften. Projekte in diesem Bereich eignen sich für die Erforschung transkulturellen Lernens in Innovationsprozessen besonders gut. Weil die Forschung in den Ingenieurswissenschaften naturgemäß auf spätere Anwendbarkeit ausgerichtet ist, lässt sich hier der Bogen vom Forschungs- zum Innovationsprozess schlagen.

Den konzeptionellen Rahmen liefert der transkulturelle Kompetenz- und Lernansatz (TraKuLa). Dieser sieht als Ergebnis internationaler Kooperation nicht nur ein wachsendes Verständnis für die Fähigkeiten der jeweils anderen Seite, sondern die Möglichkeit, aus den verschiedenen Wissensgrundlagen und Zugängen der Partner und Partnerinnen gemeinsam qualitativ neues Wissen entstehen zu lassen (siehe bisherige Forschung der Arbeitsgruppe Robak). Dabei wird von sich verändernden offenen Kulturen ausgegangen, die sich länder-, organisations- und milieuübergreifend ausprägen und dafür auf Aspekte unterschiedlicher kultureller Ressourcen zurückgreifen. Der Ansatz wird für die Generierung, Interpretation und Transformation von Wissen in Lern- und Innovationsprozessen herangezogen und anschließend für die Herausbildung gemeinsamer Praktiken genutzt.

Der Forschungsverbund ist in vier Teilprojekte aufgeteilt. Die Mitarbeitenden der einzelnen Teilprojekte arbeiten jedoch transdisziplinär und nutzen die Stärken aller mitwirkenden Disziplinen. Die einzelnen Institute und Mitglieder von TraKuLa haben dabei verschiedene Rollen inne.

Die vier Teilprojekte des Forschungsverbunds:

Die zwei ingenieurwissenschaftlichen Teilprojekte „Risiko und Resilienz“ sowie „Datenbestände“ dienen als Beobachtungsgrundlage. Darin werden jeweils zwei Forschungsseminare und Treffen zwischen Forschenden und Innovatorinnen und Innovatoren in China organisiert. In den Forschungsseminaren kommen chinesische und deutsche Kooperationspartnerinnen und -partner auf universitärer Ebene zusammen, um ihre Forschungsplanung, -durchführung und -auswertung ingenieurswissenschaftlicher Projekte gemeinsam zu erarbeiten. Bei den „Innovationstreffen“ arbeiten deutsche und chinesische Forschende und chinesische Innovierende, d.h., Firmenmanagerinnen und -manager mit wirtschaftlichem Interesse, aus, ob und wie die Forschungsergebnisse in ein marktfähiges Produkt umgesetzt werden können.

Wie auch die Forschungsseminare werden diese Treffen von den Mitarbeitenden der Teilprojekte „Lernprozessanalyse“ und „Innovationsprozessanalyse“ begleitet, analysiert und ausgewertet.  

Diese beiden sozialwissenschaftlichen Teilprojekte übernehmen die Ausführung der Analysen und der Einsätze von Kreativitätstechniken, einschließlich Konzeption, Test, Durchführung und Auswertung. Beide Projekte stehen in engem Austausch über das methodische Vorgehen und die Erhebungsergebnisse. Das Teilprojekt des Instituts für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung fokussiert sich eher auf den Wissenstransfer in interaktiven Lernprozessen, während sich das Projekt des Instituts für Wirtschafts- und Kulturgeographie mit dem Wissenstransfer in interaktiven Innovationsprozessen beschäftigt.    

ZUSAMMENARBEIT

Der interdisziplinäre Forschungsverbund setzt sich aus der Kooperation vier verschiedener Institute der Leibniz Universität Hannover zusammen, darunter das Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie (IWKG). Als Vertreter der Ingenieurswissenschaften sind das Institut für Risiko und Zuverlässigkeit (IRZ) sowie das Institut für Kartographie und Geoinformatik (IKG) beteiligt. Die Sozialwissenschaften werden durch das Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung (IFBE) vertreten. Die Tongji-Universität in Shanghai ist mit mehreren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beteiligt.

Tongji University Shanghai

KONTAKT

K. Florian Schneider, M. Sc.
Adresse
Schneiderberg 50
30167 Hannover
Gebäude
Raum
222
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